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Wenn der Tod zum Medienspektakel wird..

14 Nov, 2009  Aktuelles, Fußball, Sport

Liebe Leser/innen,

drei Tage sind nun seit dem Selbstmord von Robert Enke vergangen und die Trauer ist immer noch groß. Seit Dienstag regnet es auch, man könnte meinen, dass der Himmel rund um Hannover am weinen ist. Die Menschen trauern immer noch, sei es vor dem Stadion oder im World Wide Web.  Und was machen die Medien? Die machen aus dem Selbstmord ein Medienspektakel. Manch einer spricht schon von ekelhaften Voyeurismus. Jeder will darüber berichten, fast 24 Stunden. Tränen, Eindrücke, trauernde Fans etc. Alles muss mit der Kamera eingefangen werden. Ein auschnitt aus einem Artikel von 11 Freunde bringt es auf den Punkt:

Ü-Wagen fahren durch die Provinz. Wo ist Eilvese? Aus Duisburg die Stimme von Peter Neururer, er spricht und sagt doch nichts. Trotzdem: Senden! Wann beginnt die Pressekonferenz im Landgasthof? Sagt der DFB das Länderspiel gegen Chile ab? War es Depression? »Er war in Behandlung«, meldet BILD. Beileidsbekundungen nun auch aus München. Kerzen in Hannover. Senden! Mikrofone. Notizblöcke. Straßenkarten. Hier ist Eilvese, hallo Köln! Steht die MAZ? War er nicht immer schon… ein bisschen anders? »Er war labil«, sagt Klubboss Martin Kind. Senden! Bilder flackern. Wie das Blaulicht am Bahndamm. Flickering lights. Die Leute, glaubt man in den Ü-Wagen-Kolonien von Eilvese, wollen dabei sein.
Doch statt innezuhalten für wenigstens einen Moment, nachzudenken, mit welchen Mitteln man dieser Tragödie hätte begegnen können, wenn man ihr schon begegnen muss, und mit welchen nicht, zu schweigen, zu warten, um Worte zu ringen, sie vielleicht zu finden, irgendwann…

Stattdessen also entfesselten weite Teile der Medien schon Minuten später eine Informationsflut, die eines offenbart: Der Voyeurismus kennt keine Grenzen mehr.

Robert Enke die ewige Nr. 1

Das Spektakel geht soweit, dass sich Reporter, bei der Andacht am Mittwochabend (wurde natürlich Live im Fernsehen übertragen), sich

durch die Menschenmassen quetschen um Eindrücke einzufangen. Es werden immer und immer wieder die selben Bilder gesendet. Genau wie in den USA beim Tod von Michael Jackson. Wieder einmal versuchen deutsche Medien wie Ihre amerikansichen Kollegen vorzugehen. Fingerspitzengefühl wird dabei völlig ausser acht gelassen. Es geht um die Einschaltquoten! “Lass noch ein paar Fans befragen wie sie sich fühlen!” Robert Enke war nicht mal 24 Stunden tot, da gab Hannover 96 eine Pressekonferenz um Spekulationen im Keim zu ersticken. Seine Ehefrau Teresa wurde bei der kleinsten Bewegung, von den Fotografen, mit Blitzlichtgewitter überströmt.

“Der Voyeurismus kennt keine Grenzen mehr.”

Robert Enke hätte nicht gewollt, dass man um sein Ableben, so einen Wirbel macht.  Er war ein ruhiger Mensch der die Öffentlichkeit scheute. Der sein Privatleben immer vor der Öffentlichkeit schütze und der es nicht Nötig hatte sich in den Mittelpunkt zu stellen. Er hätte gewollt, dass die Menschen Ihr Leben weiterleben und Ihn gut in Erinnerung behalten.

Mittlerweile reagieren die Menschen, die sich nicht für Sport interssieren, gereizt auf die Medien. Das geht dann soweit, das diejenigen Ihren Hass auf die Medien weiterleiten auf die trauernden Fans. Kommentare wie:

” Bitte verschont mich, ihr seit schlimmer als die Medien!”

“Was macht Ihr für einen Aufstand? In Afrika stirbt jeden Tag ein Kind!”

“Wayne?”

Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Sicherlich kann man die Leute verstehen, dass die durch den Medienrummel genervt sind. Trotzdem sollte man seine Wut auf die Medien, nicht an die trauernden auslassen. Man muss einfach akzeptieren, dass für die Menschen Robert ein ausergewöhnlicher Mensch war.  Ein Mensch der Bodenständig war und sich nicht in den Vordergrund stellte. Der konstant gute Leistung bei seinen Verein Hannover 96 ablieferte. Der stets ein Lächeln auf den Lippen hatten. Er war keiner dieser Fußballer, die sich zu schade waren, jeden Fanwunsch zu erfüllen. Sei es ein Autogramm oder ein Foto mit Ihm machen zu dürfen, er war sich dafür nicht zu schade, erst wenn alle Fanwünsche erfüllt waren, ging er in die Kabine. Ich selber darf mich zu den Menschen zählen die auch eine persönliche Erinnerung an Rober Enke haben: 2005 war eine Autogrammstunde von Altin Lala und Robert Enke im Real Sportwelt Garbsen angesetzt. Mir war damals sofort klar: Da muss ich hin. Und zwar nur wegen Enke. Weil er bis heute einer meiner Lieblingsfußballer ist/war. Als ich mein Autogramm bekommen hatte, zögerte ich erst Ihn zu fragen, ob ich noch eins für meine kleine Schwester bekommen könnte, aber ich fragte Ihn dann doch noch. Er sah mich an, lächelte und sagte: “Klar mach ich.” Das Autogramm habe ich auch noch. Und dennoch, wussten wir nicht wie schlecht es Ihm wirklich ging. Wie verzweifelt muss Robert Enke gewesen, dass er nur noch diese ausweglose Situation gesehen hat? Das er sich nicht öffnen konnte, aus Angst alles zu velieren?! Was bleibt ist ein “Warum?”!

In zwei Tagen wird Robert Enke im engsten Familienkreis beerdigt. Vorher wird der Sarg in der AWD-Arena aufgebahrt, damit sich die Fans ein letztes Mal von Ihm verabschieden können. 100.000 Menschen werden erwartet aber nur 45.000 werden rein dürfen. Die Trauerfeier wird übrigens ab 11 Uhr live in der ARD übertragen (soviel zum Medienspektakel…). Ich selber werde versuchen im Stadion zu sein, weil ich Robert die letzte Ehre erweisen will.

In diesen Moment sind meine Gedanken bei seiner Frau und seiner 8-monatigen Adoptivtochter. Doch sollten wir auch nicht die Lokomotivführer vergessen, die durch dieses schreckliche Ereignis ein Leben lange damit gestraft sind, damit fertig zu werden.

Heute war auch die Traueranzeige in der “Neuen Presse” und “Hannoversichen Allgemeinen Zeitung” zu sehen. Auf der Anzeige steht ein Zitat vom tschechischen Schriftstellers und ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel:

“Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Darunter steht: “In ewiger Liebe – Teresa, Leila und Dein kleiner Engel“

Zum Schluss, das Lied was dann immer im Stadion lief, wenn Robert Enke sich vor dem Spiel warm gemacht hat. Nie wieder werden wir es jemals in der AWD-Arena hören.  Robert Du wirst mir und allen anderen sehr fehlen, Du warst nicht nur ein großartiger Fußballprofi sondern auch ein super Mensch. Halt das Himmelstor sauber!

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